Guide22

🪨 Arches: was du dort findest

Über zweitausend Steinbögen, einer auf den Nummernschildern eines ganzen Bundesstaats und einer, der im August 2008 einstürzte — fünf Minuten Lesezeit.

Der Nationalpark Arches bei der Stadt Moab in Utah hat auf dreihundert Quadratkilometern die größte Ansammlung natürlicher Steinbögen der Welt. Über zweitausend sind dokumentiert.

Damit ein Gebilde als Bogen zählt, muss seine Öffnung mindestens neunzig Zentimeter breit sein. Das ist das einzige Kriterium und der Grund, warum sich diese Zahl überhaupt bestimmen lässt.

Warum ausgerechnet hier

Vor dreihundert Millionen Jahren war hier ein Meer, das verdunstete und eine über einen Kilometer mächtige Salzschicht hinterließ. Salz ist unter Druck plastisch: es wölbte sich unter den aufgelagerten Sandsteinen allmählich auf und bewegte sich.

Der Sandstein darüber riss dadurch in parallele senkrechte Platten, die man Rippen nennt. In die Spalten kam Wasser, gefror im Winter, weitete sie, und die schwächeren Stellen in der Mitte der Rippen bröckelten ganz durch. Was über dem Loch übrig bleibt, ist ein Bogen.

Deshalb stehen die Bögen hier in Reihen und deshalb gibt es so viele. Es ist ein geologischer Vorgang, zweitausendmal nebeneinander wiederholt.

Delicate Arch

Ein sechzehn Meter hoher Bogen, allein am Rand einer steinernen Schale, mit den La-Sal-Bergen im Hintergrund. Er ist auf den Nummernschildern von ganz Utah, die meisten Besucher kennen ihn also, bevor sie ihn sehen.

Der Weg dorthin ist drei Kilometer einfach, der Anstieg etwa 150 Meter, und der letzte Abschnitt führt über ein schmales, in die Wand gehauenes Band. Schatten gibt es keinen. Im Juli geht man das früh am Morgen oder gar nicht.

Unter dem Bogen kann man stehen, aber dafür steht man an. Das beste Licht ist eine Stunde vor Sonnenuntergang, was jeder weiß, der dort ist.

Landscape Arch und was 1991 geschah

Landscape Arch ist mit achtundachtzig Metern Spannweite einer der längsten natürlichen Bögen der Welt. Er ist außerdem erschreckend dünn — seine schmalste Stelle misst etwa einen Meter.

1991 löste sich von ihm bei Tageslicht und vor Zeugen eine zweiundzwanzig Meter lange Platte. Es passierte niemandem etwas, ein Tourist filmte es, und der Weg unter dem Bogen ist seither gesperrt.

Siebzehn Jahre später, im August 2008, stürzte nachts der ganze Wall Arch ein, einer der größten im Park. Am Morgen lag dort ein Haufen Gestein.

Das ist das Wichtigste an diesem Park und das, worüber am wenigsten gesprochen wird: Bögen sind kein Dauerzustand, sie sind eine Phase. Jeder von ihnen stürzt irgendwann ein, und währenddessen entstehen neue.

Balanced Rock und anderes, wofür sich das Anhalten lohnt

Balanced Rock ist ein Felsblock von rund dreieinhalbtausend Tonnen auf einem schmalen Sockel direkt an der Straße. Daneben stand ein kleinerer Zwilling namens Chip Off the Old Block; der fiel im Winter 1975.

Double Arch sind zwei Bögen, die aus einer Stelle wachsen. Darunter wurde die Anfangsszene des dritten Indiana-Jones-Films gedreht, deshalb kommen sie auf Fotos auch Leuten bekannt vor, die nie in Utah waren.

Fiery Furnace ist ein Labyrinth enger Schluchten zwischen den Rippen. Hinein geht man nur mit einem Ranger oder mit Genehmigung, denn man kann sich dort ohne Übertreibung in Sichtweite des Parkplatzes verlaufen.

Der Boden, auf dem man nicht gehen darf

Die dunkle, höckerige Kruste zwischen den Felsen ist kein Dreck. Sie ist ein lebender Belag aus Cyanobakterien, Flechten und Moosen, den man kryptobiotischen Boden nennt. Er hält den Sand fest, speichert Wasser und ermöglicht überhaupt erst, dass hier etwas wächst.

Ein Tritt zerdrückt ihn, und die Erholung kann Jahrzehnte dauern. Daher stammt der Satz, den du hier ständig hörst: nicht vom Weg abgehen. Es geht nicht um Ordnung, es geht darum, dass diese Kruste der einzige Grund ist, warum die Wüste ringsum nicht bloß Sand ist.

Zufahrt

Seit 2022 fährt man von April bis Oktober mit Zeitfenster hinein: man reserviert ein einstündiges Einfahrtsfenster. Eingeführt wurde es, nachdem der Park wiederholt das Tor schließen musste, weil drinnen kein Parkplatz mehr frei war. Nicht in jedem Jahr gilt die Zeitfenster-Regel, aber Nachsehen lohnt sich.

Und noch ein Name. 1956 und 1957 diente hier Edward Abbey als Saisonranger und wohnte in einem Wohnwagen ohne Strom. Er schrieb daraus das Buch Die Einsamkeit der Wüste, in dem er unter anderem vorschlug, die Autos aus den Nationalparks zu werfen. Das Buch ist ein Klassiker, und Arches beschränkt heute die Zufahrt — nur anders, als er es wollte.