Guide22

🌡️ Death Valley: was du dort findest

Der tiefste, trockenste und heißeste Ort Nordamerikas, Steine, die sich von selbst bewegen, und ein See, auf dem 2024 gepaddelt wurde — fünf Minuten Lesezeit.

Mit dreizehneinhalbtausend Quadratkilometern ist das Death Valley der größte Nationalpark der Vereinigten Staaten außerhalb Alaskas — er ist größer als Montenegro. Es ist außerdem der tiefste, trockenste und heißeste Ort Nordamerikas.

Den Namen gab ihm eine Gruppe von Goldsuchern, die im Winter 1849 hier eine Abkürzung nach Kalifornien suchte. Sie verloren Monate und kamen heraus. Beim Hinausgehen soll sich einer von ihnen umgedreht und gesagt haben: "Leb wohl, Tal des Todes." Dabei starb ein einziger Mensch aus der ganzen Gruppe, was für einen so dramatischen Namen recht wenig ist.

Die höchste je gemessene Temperatur

In Furnace Creek wurden am 10. Juli 1913 56,7 °C gemessen. Es ist der offizielle Weltrekord und zugleich die umstrittenste Zahl der Meteorologie; viele Klimatologen halten sie für einen Messfehler. Nur hat sie nie jemand offiziell gestrichen, also gilt sie.

Die unbestreitbaren Rekorde sind aber ohnehin brutal: im Juli 2020 und erneut 2021 waren es hier 54,4 °C, die höchste zuverlässig gemessene Temperatur der Erde. Und 1972 maß man an der Bodenoberfläche 93,9 °C — ein paar Grad weniger, als Wasser zum Sieden braucht.

Praktisch heißt das, dass hier im Juli und August zwischen zehn und sechs niemand irgendwohin zu Fuß geht. Die Ranger wiederholen es jedem, und jedes Jahr hält sich jemand nicht daran.

Badwater Basin

Der tiefste Punkt Nordamerikas: 86 Meter unter dem Meeresspiegel. Es ist eine Salzebene, und man geht über sechseckige Platten, die unter den Füßen knacken wie Eis.

Hoch oben in der Felswand über dem Parkplatz hängt ein Schild mit der Aufschrift "Meeresspiegel". Es ist das Anschaulichste im ganzen Park — es zeigt, wie viel Wasser über dir wäre, wenn hier ein Meer läge.

Und von derselben Stelle sieht man den Telescope Peak, einen Gipfel von 3 368 Metern. Der Unterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt des Parks beträgt also über dreieinhalb Kilometer auf hundertdreißig Kilometer Entfernung.

Die Steine, die gehen

Auf dem trockenen Grund der Racetrack Playa liegen Felsbrocken, hinter denen sich im Lehm hunderte Meter lange Spuren ziehen. Manche sind gerade, andere biegen ab. Die Steine wiegen bis zu dreihundert Kilo, und niemand hat je gesehen, wie sich einer bewegt.

Hundert Jahre lang erklärte man es mit Sturm, Eis, Magnetismus, einem Scherz und Außerirdischen. Gelöst wurde es erst 2014, als Forscher dort Steine mit GPS und einer Zeitrafferkamera zurückließen.

Die Antwort ist unerwartet sanft. Im Winter sammeln sich auf der Playa ein paar Zentimeter Wasser, die nachts zu einer dünnen Eisschicht gefrieren; am Morgen bricht die Sonne das Eis in große Schollen — und schwacher Wind, fünf Meter pro Sekunde genügen, schiebt diese Schollen langsam voran. Die Schollen drücken die Steine mit ein paar Metern pro Minute. Es ist so langsam und so unauffällig, dass man direkt hinsehen und es nicht bemerken kann.

Der See, der zurückkam

Im August 2023 zog der Rest eines Hurrikans über den Park, und an einem Tag fiel mehr Niederschlag, als hier sonst in einem Jahr fällt. Die Straßen waren monatelang gesperrt.

Im Februar und März 2024 stand dann im Badwater Basin ein echter See, etwa einen halben Meter tief und mehrere Kilometer lang. Menschen paddelten darauf am tiefsten Punkt des Kontinents. Zuletzt gab es dort so etwas 2005.

Wenn auch im Frühjahr genug Wasser da ist, kommt die Superblüte: Samen, die jahrzehntelang im Boden warten, keimen auf einmal, und die Wüste ist für ein paar Wochen gelb. Die letzten großen waren 2005 und 2016.

Der Fisch, der in einem einzigen Loch lebt

In einem abgetrennten Stück des Parks liegt eine Kalksteingrube namens Devils Hole, über hundertdreißig Meter tief. Auf ihrem oberen Teil, einer Fläche etwa so groß wie zwei Esstische, lebt ein Kärpfling, der sonst nirgends auf der Welt vorkommt.

Es ist das Wirbeltier mit dem kleinsten natürlichen Verbreitungsgebiet, das wir kennen. Sie werden jedes Jahr gezählt, und es sind gewöhnlich zwischen hundert und zweihundert Stück.

Und noch zum Himmel

Das Death Valley ist in der höchsten Kategorie des Schutzes des dunklen Himmels eingestuft. Die nächste große Stadt ist Las Vegas, zweihundert Kilometer entfernt, und Berge schirmen sie ab. Die Milchstraße wirft hier einen Schatten.

Auch Filmleute kennen den Ort: die Wüstenszenen aus dem ersten Star Wars wurden genau hier gedreht, samt der Schlucht, in der Luke den Jawas begegnet.