🦅 Geschichte der USA
Von Kolumbus' Irrtum bis Silicon Valley — fünfhundert Jahre in zwanzig Minuten Lesezeit.
Stell dir ein Land vor, in dem Tee einmal direkt im Ozean aufgebrüht wurde, in dem Präsidenten wichtige Staatspapiere im Hut trugen, um sie nicht zu verlieren, und in dem die Leute eines Tages einfach beschlossen, dass sie keine Lust mehr hatten, einem König zu gehorchen, den sie nie gesehen hatten und der Tausende Kilometer entfernt jenseits eines sehr großen Teichs saß. Willkommen in Amerika!
Heute machen wir eine lange, wilde und stellenweise völlig unglaubliche Fahrt durch die Geschichte der Vereinigten Staaten. Vergiss die öden Jahreszahlenlisten, von denen einem schwindelig wird. Wir schauen uns an, wie es wirklich war — mit allen Blamagen, genialen Einfällen und brutalen Wendungen, die diese Weltmacht geformt haben. Anschnallen: Wir starten vor etwa fünfhundert Jahren.
Kapitel 1: Der große geografische Irrtum, oder wie Kolumbus Amerika (nicht) entdeckte
Wir schreiben das Jahr 1492. In Europa sind Pfeffer, Zimt und Seide aus Asien der Hit. Nur sind die Landwege nach Osten gefährlich und teuer. Der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus bekommt von der spanischen Königin Geld für einen verrückten Plan: „Wenn die Erde rund ist, erreiche ich Indien, indem ich immer nach Westen segle!" Ein glänzender Plan mit einem kleinen Mangel. Kolumbus ahnte nicht, dass ihm ein riesiger, von niemandem kartierter Kontinent im Weg stand.
Als seine Mannschaft nach Wochen auf See endlich Land sichtete (eine Insel in der Karibik), betrat Kolumbus feierlich den Strand und verkündete: „Wir sind in Indien!" Deshalb begann er, die Einheimischen Indianer zu nennen. Und obwohl er dort keine einzige Pfefferplantage fand, war er bis zu seinem Tod 1506 felsenfest überzeugt, Asien erreicht zu haben. Dass es sich um eine ganz „Neue Welt" handelte, begriff erst ein anderer Seefahrer, Amerigo Vespucci. Und weil Amerigo etwas besser darin war, Briefe über seine Reisen zu schreiben, wurde der neue Kontinent nach ihm benannt — Amerika. Christoph blieben Kolumbien und ein paar Städtenamen.
Wahr ist außerdem, dass Kolumbus bei weitem nicht der erste Europäer in Amerika war. Schon um das Jahr 1000 kamen die Wikinger in ihren Holzschiffen dorthin, angeführt von Leif Eriksson. Sie lebten eine Weile dort, gerieten mit den Einheimischen aneinander und segelten wieder ab, ohne irgendjemandem in Europa davon zu erzählen. Und natürlich dürfen wir die Ureinwohner selbst nicht vergessen. Sie lebten dort seit Jahrtausenden, hatten erstaunliche Städte gebaut und hatten nicht im Geringsten das Gefühl, von einem verwirrten Italiener mit Kompass „entdeckt" werden zu müssen.
Kapitel 2: Pilger, Mais und das erste Erntedankfest
Kaum hatte sich in Europa herumgesprochen, dass es in Amerika viel freies Land gab (die Leute, die schon dort lebten, fragte niemand), begannen die europäischen Mächte sich zu sammeln — Spanier, Franzosen, Niederländer und vor allem Engländer. England gründete an der Ostküste nach und nach dreizehn Kolonien.
Eine der berühmtesten Siedlergruppen waren die Pilgerväter. Es waren Leute, denen nicht gefiel, wie in England Religion praktiziert wurde, und die auf ihre Weise leben wollten. 1620 gingen sie an Bord eines Schiffes namens Mayflower und machten sich über den stürmischen Atlantik auf. Die Überfahrt war furchtbar, alle waren seekrank, das Schiff leckte, aber schließlich erreichten sie die Küste des heutigen Massachusetts und gründeten dort die Siedlung Plymouth.
Nur war ihr Zeitpunkt miserabel. Sie kamen zu Winterbeginn an. Sie hatten keine ordentlichen Häuser, die Vorräte gingen zur Neige und Krankheiten brachen aus. Im ersten Winter starb die Hälfte aller Pilger. Als es schon so aussah, als würde die Siedlung nicht überleben, tauchten die Wampanoag auf. Einer von ihnen, Squanto, sprach überraschenderweise Englisch (er war Jahre zuvor von englischen Seeleuten entführt worden — die Welt ist wirklich klein). Squanto und seine Leute brachten den Pilgern bei, was ihnen den Hals rettete: wie man amerikanischen Mais anbaut, wo man fischt und wie man aus den Fischen Dünger macht.
Als die Pilger im Herbst 1621 ihre erste ordentliche Ernte einbrachten, beschlossen sie ein riesiges dreitägiges Fest, um Gott und den Wampanoag für die Rettung zu danken. Es gab gebratene wilde Truthähne, Kürbis, Fisch und Wild. So entstand das berühmte Erntedankfest (Thanksgiving), das in den USA heute wohl beliebter ist als Weihnachten.
Und noch eine Geschichte zu diesem Truthahn. Es heißt gern, Benjamin Franklin habe den Truthahn statt des Adlers als Nationalvogel gewollt. Tatsächlich hat er das nie offiziell vorgeschlagen, und niemand hat ihn überstimmt — er schrieb es in einem privaten Brief an seine Tochter, in dem er spottete, der Adler auf dem Entwurf des Staatssiegels sehe ohnehin eher aus wie ein Truthahn. Bei der Gelegenheit fügte er allerdings hinzu, der Adler sei ein fauler Dieb, der anderen Vögeln die Fische stehle, während der Truthahn zwar etwas eitel, aber tapfer sei. Der Adler gewann am Ende, und der Truthahn landet jeden November im Ofen.
Kapitel 3: Die Boston Tea Party, oder wenn ein König es übertreibt
Weitere hundertfünfzig Jahre vergingen. Aus den Siedlern waren stolze Amerikaner geworden. Sie lebten ganz gut, bauten Tabak und Baumwolle an, trieben Handel und brauchten einen britischen König in London im Grunde nicht. Nur hatte König Georg III. Geldsorgen. Er hatte einen langen und teuren Krieg gegen die Franzosen geführt (der übrigens teilweise in Amerika stattfand), und seine Kasse war leer.
Der König hatte eine „glänzende" Idee: „Sollen die Amerikaner diese Kriege bezahlen! Wir führen neue Steuern ein!" Und so besteuerte London in den Kolonien fast alles — amtliche Papiere, Zeitungen, Farbe, Glas und vor allem Tee. Die Amerikaner waren außer sich. Es ging ihnen gar nicht so sehr um die paar Pence, sondern ums Prinzip. Im britischen Parlament saß nämlich kein einziger Vertreter aus Amerika. So entstand der berühmte Ruf: „Keine Besteuerung ohne Vertretung!" (Also: Wenn wir nicht mitreden dürfen, wie regiert wird, zahlen wir euch keine Steuern.)
Die Spannung entlud sich am 16. Dezember 1773 in Boston. Drei britische Schiffe voller teurem Tee liefen in den Hafen ein. Ortsansässige Patrioten, die sich Söhne der Freiheit nannten, entschieden sich für eine radikale Aktion. Sie verkleideten sich (ziemlich unbeholfen) als Indianer, enterten nachts die Schiffe, schlugen mit Äxten 342 riesige Teekisten auf und warfen alles ins Meer. Insgesamt ersäuften sie über vierzig Tonnen Tee, nach heutigem Geld Millionen wert. Das Ereignis heißt bis heute Boston Tea Party. Die Fische im Hafen von Boston hatten vermutlich einen Koffeinschock — und König Georg III. schickte eine Armee nach Amerika, um die Rebellen zu befrieden. Der Krieg stand vor der Tür.
Kapitel 4: Die Geburt einer Supermacht
Der Unabhängigkeitskrieg begann 1775. Auf der einen Seite stand die britische Armee — Berufssoldaten in leuchtend roten Röcken (man nannte sie Rotröcke), die bestausgebildeten der Welt. Auf der anderen standen die Amerikaner: Bauern, Jäger und Zimmerleute, die oft nicht einmal ordentliche Stiefel hatten, geschweige denn Uniformen. An die Spitze dieser Amateurarmee stellte sich George Washington.
Um Washington ranken sich viele Mythen. Etwa der, er habe Zähne aus Holz gehabt. In Wirklichkeit litt er unter furchtbaren Zahnschmerzen und hatte am Lebensende noch einen einzigen eigenen Schneidezahn. Seine Prothese war aber nicht aus Holz, sondern aus Flusspferdelfenbein und Rinderknochen geschnitzt — und es steckten auch menschliche Zähne darin, mehrere davon Menschen abgekauft, die er versklavt hatte. Es muss äußerst unbequem gewesen sein, was erklärt, warum George auf keinem Porträt lächelt.
Während Washington in Schlamm und Frost kämpfte, versammelten sich in Philadelphia die klügsten Köpfe Amerikas (unter anderem Thomas Jefferson und Benjamin Franklin). Sie setzten sich an einen Tisch und verfassten und beschlossen im Sommer 1776 die Unabhängigkeitserklärung. Darin teilten sie der Welt mit, dass die dreizehn Kolonien nicht mehr zu Großbritannien gehörten, sondern einen neuen Staat gründeten: die Vereinigten Staaten von Amerika. Den Tag, an dem sie sie beschlossen, feiern die Amerikaner bis heute als ihren größten Feiertag mit tonnenweise Feuerwerk und Barbecue — und dieses Datum findest du in die Tafel gemeißelt, die eine gewisse grüne Dame im Hafen von New York hält.
Den Krieg zu gewinnen dauerte allerdings noch einige Jahre. Am Ende halfen den Amerikanern die Franzosen erheblich, die die Briten aufrichtig verabscheuten und ihnen gern eins auswischten. 1783 gestanden die Briten die Niederlage ein, und Amerika war frei. George Washington wurde zum ersten Präsidenten gewählt und war so beliebt, dass er König hätte werden können, wenn er gewollt hätte. Er lehnte ab, denn Könige hatten die Amerikaner gründlich satt. Nach acht Jahren im Amt ging er freiwillig zurück auf seine Farm und begründete damit die Tradition, dass ein Präsident höchstens zwei Amtszeiten regiert.
Kapitel 5: Wie aus einem kleinen Land ein Riese wurde (und wie die Ureinwohner darunter litten)
Am Anfang waren die USA nur ein schmaler Streifen Land am Atlantik. Aber die Amerikaner hatten großen Hunger auf neues Land, und eine gewaltige Wanderung nach Westen begann. Wie kamen sie an das Land? Manchmal kauften sie es schlicht für einen Spottpreis. 1803 etwa kauften sie dem französischen Kaiser Napoleon ein riesiges Gebiet namens Louisiana ab. Napoleon brauchte dringend Geld für seine Kriege in Europa und verkaufte Amerika deshalb ein Stück Land, das die damaligen USA in ihrer Größe verdoppelte, für lediglich fünfzehn Millionen Dollar. Das war das beste Immobiliengeschäft der Geschichte.
Später kauften sie Russland Alaska ab. Damals hielten alle Minister Seward für verrückt, weil er über sieben Millionen Dollar für „einen riesigen Kühlschrank voller Bären" ausgab. Dann fand man in Alaska Gold und Öl, und die Kritiker verstummten.
Die traurige und dunkle Seite dieses Wachstums war das Schicksal der Ureinwohner. Die amerikanische Regierung schloss Verträge mit den Stämmen und brach sie fortwährend, während weiße Siedler weiter nach Westen drängten. 1830 unterzeichnete Präsident Andrew Jackson das Gesetz zur Umsiedlung der Indianer. Zehntausende Menschen aus Nationen wie den Cherokee mussten ihre Heimat verlassen und Tausende Kilometer zu Fuß in trockene Reservate in Oklahoma ziehen. Dieser Weg heißt Pfad der Tränen, weil unterwegs Tausende an Hunger, Kälte und Erschöpfung starben.
Kapitel 6: Der Norden gegen den Süden, oder Lincoln und sein wandelnder Aktenordner
Um 1860 hatte Amerika ein riesiges inneres Problem, das es fast zerstört hätte. Das Land war wirtschaftlich zweigeteilt. Der Norden war modern, voller Fabriken, Eisenbahnen und Städte. Sklaverei war dort verboten. Der Süden war landwirtschaftlich: gewaltige Baumwoll- und Tabakplantagen, auf denen Millionen aus Afrika verschleppter versklavter Schwarzer unter unmenschlichen Bedingungen arbeiteten. Die Südstaatler behaupteten, ohne Sklaven breche ihre Wirtschaft zusammen.
1860 gewann Abraham Lincoln die Präsidentschaftswahl. Lincoln war ein unglaublicher Mann. In einer armen Blockhütte geboren, brachte er sich selbst das Lesen bei und wurde Anwalt. Er war fast zwei Meter groß und trug einen ikonischen hohen Zylinder. Dieser Hut war nicht bloß Zierde — Lincoln bewahrte darin wichtige Briefe, Notizen und Staatspapiere auf. Traf er auf der Straße jemand Wichtigen, nahm er einfach den Hut ab, kramte darin und zog das nötige Papier heraus. Der erste tragbare Aktenordner.
Lincoln machte kein Geheimnis daraus, dass er die Sklaverei für ein moralisches Übel hielt. Die Südstaaten bekamen Angst, er nehme ihnen die Sklaven, und erklärten, sie träten aus den USA aus und gründeten einen eigenen Staat, die Konföderation. Lincoln erklärte, das Land dürfe nicht auseinanderfallen, und der Amerikanische Bürgerkrieg brach aus, der blutigste Konflikt auf amerikanischem Boden.
Anfangs gewann der Süden, weil er die besseren Generäle hatte (etwa den berühmten Robert E. Lee). Der Norden hatte aber mehr Geld, mehr Menschen und vor allem Waffenfabriken. 1863 erließ Lincoln eine Proklamation, die alle Sklaven im Süden befreite. Daraufhin traten Tausende schwarze Soldaten in den Krieg ein und kämpften für die eigene Freiheit. Im Juli 1863 wendete die gewaltige Schlacht von Gettysburg den Krieg endgültig. 1865 kapitulierte der Süden. Die Sklaverei wurde abgeschafft, die USA blieben zusammen — aber nur wenige Tage später traf das Land eine Tragödie. Lincoln wurde in einem Washingtoner Theater von einem fanatischen Südstaatenschauspieler namens John Wilkes Booth erschossen.
Kapitel 7: Wilder Westen, Goldrausch und Saloongeschichten
Nach dem Bürgerkrieg kam die Ära, die du aus Filmen kennst — der Wilde Westen. Überall zogen Cowboys, Sheriffs und Banditen wie Billy the Kid oder Jesse James umher, und es entstand eine transkontinentale Strecke, die endlich beide Küsten verband.
Warum drängten die Leute überhaupt in diesen gefährlichen Westen? Sehr oft wegen Gold. 1848 fand ein Zimmermann in einem kalifornischen Bach glitzernde gelbe Steinchen. Die Nachricht sprach sich herum, und 1849 brach der erste große Goldrausch aus. Tausende — nach dem Jahr nannte man sie Forty-Niners — gaben ihre Arbeit auf, verkauften ihre Häuser und rannten nach Kalifornien in der Hoffnung, reich zu werden. Die meisten fanden natürlich nichts und endeten in Armut; am meisten verdienten die, die ihnen Schaufeln, Essen und teuren Schnaps in den Saloons verkauften. Übrigens begann genau damals ein gewisser Levi Strauss, für die Goldsucher extrem feste Hosen aus Segeltuch mit Metallnieten zu nähen — und so kamen die ersten Jeans in die Welt, möglicherweise genau die, die du beim Lesen trägst.
Cowboys waren in Wirklichkeit keine romantischen Helden, die ständig den Colt zogen. Es war entsetzlich harte und schmutzige Arbeit. Ihre Hauptaufgabe war, riesige Rinderherden Hunderte Kilometer über die Prärie zur nächsten Verladerampe zu treiben. Es dauerte Monate, sie schliefen unter freiem Himmel auf dem Boden, aßen immer wieder Bohnen, und die größte Gefahr waren nicht Schießereien, sondern eine durchgehende Herde, die sie hätte zertrampeln können.
Kapitel 8: Das Zeitalter der Erfindungen und Wolkenkratzer
Um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert verwandelte sich Amerika in eine industrielle Rakete. Die Leute zogen vom Land in die Städte, und Millionen Einwanderer strömten aus Europa ins Land (darunter viele Tschechen) auf der Suche nach ihrem „amerikanischen Traum". Wenn die Auswandererschiffe in den Hafen von New York einliefen, begrüßte sie als Erstes eine riesige grüne Statue, ein Geschenk Frankreichs an die USA.
Es war ein Zeitalter genialer Köpfe. Thomas Alva Edison vervollkommnete in seinen Laboren in New Jersey die Glühbirne, erfand den Phonographen und vieles mehr. Man erzählt, er habe Tausende Sackgassen ausprobiert (einschließlich des verkohlten Barts seines Assistenten), bevor er herausfand, welches Material in einer Glühbirne nicht sofort verbrennt. Auf die Frage, ob ihn diese Tausenden Misserfolge nicht entmutigt hätten, antwortete er: „Es waren keine Misserfolge. Ich habe lediglich erfolgreich zehntausend Wege entdeckt, die nicht funktionieren."
Ein weiterer Mann, der die Welt veränderte, war Henry Ford. Er erfand weder das Auto noch das Fließband — bewegte Linien gab es längst in den Chicagoer Schlachthöfen, von wo er die Idee entlieh. Erfunden hat er, sie für den Bau von Autos zu nutzen. Bis dahin wurden Autos von Hand gebaut und waren so teuer, dass sie sich nur Millionäre leisten konnten. Ford stellte die Arbeiter an ein Band, wo jeder den ganzen Tag nur einen Handgriff machte (etwa eine Schraube festzog). Die Produktion seines berühmten Modell T wurde dadurch so schnell und billig, dass jeder gewöhnliche Amerikaner sich eines kaufen konnte. Ford hatte einen eigenwilligen Sinn für Marketing und sagte: „Sie können einen Wagen in jeder Farbe haben, solange sie schwarz ist." (Schwarz trocknete am schnellsten und hielt daher das Band nicht auf.)
Weil in den Zentren der Großstädte wenig Platz war und Grundstücke ein Vermögen kosteten, kamen die Architekten auf eine Idee: „Wenn wir nicht in die Breite bauen können, bauen wir in den Himmel!" Dank des sicheren Aufzugs und billigen Stahls wuchsen die ersten Wolkenkratzer. Amerika begann auszusehen wie aus der Zukunft.
Kapitel 9: Weltkriege und die Gangsterära mit Al Capone
Als 1914 in Europa der Erste Weltkrieg ausbrach, sagte Amerika zunächst: „Das ist euer Problem, wir mischen uns nicht ein." Doch deutsche U-Boote begannen amerikanische Handelsschiffe zu versenken, und so traten die USA 1917 in den Krieg ein und halfen, ihn rasch zu beenden.
Nach dem Krieg kamen die verrückten zwanziger Jahre. Die Leute wollten Jazz tanzen und sich amüsieren. Die Regierung machte jedoch einen Fehler und beschloss die Prohibition — ein vollständiges Verbot von Verkauf und Herstellung von Alkohol. Man dachte, damit die Kriminalität zu heilen. Das Ergebnis war genau umgekehrt. Die Leute hörten nicht auf zu trinken; der Schnaps wurde nur heimlich in illegalen Brennereien hergestellt und geschmuggelt. Auf diesem Schwarzmarkt wurden Gangster märchenhaft reich. Der berühmteste war Al Capone in Chicago. Er hatte eine Privatarmee mit Maschinengewehren, bestach Polizei und Politiker und beseitigte die Konkurrenz. Die Polizei kam nicht an ihn heran, weil niemand aussagen wollte. Am Ende bekamen sie ihn nicht wegen Mordes, sondern weil er auf seine illegalen Gewinne keine Steuern zahlte. Er landete im berühmten Gefängnis auf Alcatraz.
1929 war die Party vorbei. An der New Yorker Börse platzte eine riesige Blase, Aktien verloren ihren Wert, und die Weltwirtschaftskrise begann. Die Leute verloren ihre Ersparnisse, Fabriken schlossen, und Millionen standen endlos in Schlangen nach Gratissuppe. Aus der Krise holte Amerika erst Präsident Franklin D. Roosevelt mit seinem Programm New Deal, in dessen Rahmen der Staat Millionen Menschen beim Bau von Staudämmen, Straßen und Brücken beschäftigte.
Roosevelt war übrigens der einzige Präsident, der viermal hintereinander regierte. Die Leute liebten ihn, obwohl er den größten Teil seiner Amtszeit im Rollstuhl verbrachte, gelähmt von Kinderlähmung — die Presse half, das vor der Öffentlichkeit zu verbergen, damit Amerika nicht schwach wirkte. Er war es, der die USA durch den Zweiten Weltkrieg führte. Amerika trat ein, nachdem japanische Flugzeuge am 7. Dezember 1941 die amerikanische Flotte im Hafen von Pearl Harbor auf Hawaii unangekündigt angriffen. Amerika mobilisierte seine gesamte Industrie und besiegte gemeinsam mit dem britischen Premier Winston Churchill und dem sowjetischen Diktator Josef Stalin Adolf Hitler. Den Krieg im Pazifik beendeten die USA im August 1945, als sie zwei neu entwickelte Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abwarfen.
Kapitel 10: Kalter Krieg und das Rennen zum Mond
Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte sich die Welt in zwei Lager. Auf der einen Seite die demokratischen USA, auf der anderen die kommunistische Sowjetunion. Der Kalte Krieg begann. Kalt hieß er, weil die beiden Supermächte nie direkt gegeneinander kämpften (mit Atomwaffen hätte das das Ende der Welt bedeutet), sondern ständig darum wetteiferten, wer mehr Raketen und bessere Spione hatte und vor allem — wer zuerst den Weltraum eroberte.
Dieses Wettrennen ins All begannen die Sowjets besser. 1957 schossen sie den ersten künstlichen Satelliten Sputnik hinauf (er piepste nur, aber die Amerikaner gerieten in Panik), und 1961 schickten sie mit Juri Gagarin den ersten Menschen hoch. Präsident John F. Kennedy verkündete daraufhin ein ehrgeiziges Ziel: „Noch vor Ende des Jahrzehnts bringen wir einen Menschen auf den Mond und holen ihn sicher zurück!" Alle hielten ihn für verrückt, denn die USA hatten damals nicht einmal eine ordentliche Rakete.
Aber die NASA legte los. Am 20. Juli 1969 sahen Millionen Menschen weltweit an Schwarzweißfernsehern zu, wie die Landefähre von Apollo 11 im Meer der Ruhe auf dem Mond aufsetzte. Neil Armstrong stieg aus, kletterte die Leiter hinunter und drückte als erster Mensch der Geschichte seinen Stiefel in Mondstaub. Dabei sagte er den Satz, den die ganze Welt kennt: „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit." Zusammen mit Buzz Aldrin steckte er dort eine amerikanische Flagge auf (mit Draht versteift, damit sie im Vakuum hing) und sammelte einen Sack Mondgestein. Damit hatten die Amerikaner das Wettrennen endgültig gewonnen.
Kapitel 11: Ich habe einen Traum, oder der Kampf um Bürgerrechte
Während Amerika im All glänzte, hatte es zu Hause noch immer einen tiefen und ungerechten Makel. Obwohl die Sklaverei schon 1865 endete, hatten Schwarze in vielen Bundesstaaten (vor allem im Süden) noch immer nicht dieselben Rechte wie Weiße. Dort galten Gesetze der Rassentrennung. Das hieß, Schwarze durften nicht in dieselben Schulen, Restaurants, Hotels und öffentlichen Toiletten, und in Bussen mussten sie hinten sitzen. Waren die vorderen Plätze für Weiße besetzt, musste ein Schwarzer aufstehen und den Platz räumen.
Alles begann sich 1955 in Montgomery, Alabama, zu ändern. Eine Näherin namens Rosa Parks setzte sich nach einem langen Arbeitstag in einen Bus. Als der Fahrer verlangte, sie solle aufstehen und einem weißen Fahrgast Platz machen, sagte sie ruhig: „Nein." Die Polizei verhaftete sie dafür. Diese scheinbar kleine Tat löste gewaltige Proteste aus. Die Schwarzen in Montgomery begannen, die Busse zu boykottieren — ein Jahr lang gingen sie lieber zu Fuß, als einem Unternehmen zu zahlen, das sie wie Abfall behandelte. Der Verkehrsbetrieb stand vor dem Ruin, und die Regeln mussten sich ändern.
An die Spitze dieser Bürgerrechtsbewegung stellte sich ein junger Prediger, Martin Luther King Jr. King bewunderte den indischen Führer Gandhi und hielt am Grundsatz fest, dass Unrecht ohne Gewalt bekämpft werden muss — durch Demonstrationen, Boykotte und Reden. 1963 führte er einen gewaltigen Marsch auf Washington an, wo er vor 250.000 Menschen seine berühmteste Rede hielt, die mit den Worten „I have a dream…" (Ich habe einen Traum…) beginnt. Er träumte davon, dass seine vier kleinen Kinder eines Tages in einem Land leben würden, in dem sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden. King erhielt für seinen Kampf den Friedensnobelpreis, endete aber wie Lincoln tragisch — 1968 erschoss ihn in Memphis ein Attentäter. Sein Traum ging dennoch in Erfüllung: Die Gesetze änderten sich, die Rassentrennung wurde abgeschafft, und 2008 wählten die Amerikaner Barack Obama zu ihrem ersten schwarzen Präsidenten.
Kapitel 12: Willkommen im digitalen Zeitalter
In den letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Amerika zum Zentrum einer technologischen Revolution. In einem kalifornischen Tal, das man heute Silicon Valley nennt, begannen junge Männer in Garagen Dinge zusammenzubauen, die völlig verändert haben, wie du heute lebst, lernst und dich unterhältst.
Steve Jobs baute mit seinem Freund Steve Wozniak in der Garage von Jobs' Eltern den ersten Apple-Computer. Ein Stück weiter baute Bill Gates Microsoft auf. Und Ende der Neunziger erfanden zwei Studenten der Stanford University, Larry Page und Sergey Brin, die Suchmaschine, ohne die du heute nicht einmal ein Pfannkuchenrezept fändest — Google. Kurz: Amerika gab der Welt Personalcomputer, das Internet, Smartphones, soziale Netzwerke und Streaming.
Heute sind die Vereinigten Staaten ein Land voller Widersprüche. Sie haben ein riesiges Hollywood, aus dem deine Lieblingsfilme und Superhelden kommen, sie haben Astronauten, die einen Flug zum Mars planen, und zugleich ringen sie mit einer Menge moderner Probleme. Von dreizehn kleinen, armen Kolonien, die einen wütenden König in London fürchteten, haben die USA einen unglaublichen, mitunter blutigen und mitunter reichlich verrückten Weg zurückgelegt. Und das war unsere Geschichte der USA — jetzt weißt du, wie die heutige Welt entstanden ist!
Ein kurzes Quiz zum Schluss
Glaubst du, du hast aufgepasst? Teste deine Geschichtszellen in diesem kurzen Quiz. Die richtigen Antworten stehen gleich darunter, aber nicht vorher spicken!
1. Welchen Vogel lobte Benjamin Franklin auf Kosten des Adlers?
a) Die Wildgans — b) Den Truthahn — c) Die Taube
2. Wo bewahrte Präsident Abraham Lincoln wichtige Dokumente und Briefe auf?
a) In einem geheimen Fach im Stiefel — b) In seinem hohen Hut — c) Unter dem Kopfkissen
3. Was geschah bei der berühmten Boston Tea Party?
a) Die Amerikaner luden den britischen König zum Fünfuhrtee ein. — b) Als Indianer verkleidete Bostoner warfen Teekisten ins Meer. — c) In Boston wurde der Eistee erfunden.
4. Welcher berühmte Erfinder probierte auch den Bart seines Assistenten in seiner Glühbirne aus?
a) Henry Ford — b) Albert Einstein — c) Thomas Alva Edison
5. Wie hieß das Schiff, mit dem die Pilger 1620 nach Amerika kamen?
a) Titanic — b) Mayflower — c) Santa Maria
Antworten: 1b (ja, der Truthahn), 2b (sein Hut war tatsächlich ein wandelnder Aktenordner), 3b (die Fische hatten damals einen koffeinhaltigen Tag), 4c (Edison probierte wirklich alles), 5b (Mayflower).